Soziale Arbeit und Pflege

Gesellschaft im Wandel

Zwischen Reform und Verantwortung

Das Jahr 2025 war geprägt von Kontroversen über die Zukunftsfähigkeit des Sozialstaates. Demografischer Wandel, wachsende Bedarfe und Haushaltsnot setzten die Sicherungssysteme massiv unter Reform- und Spardruck. Die Zielrichtung diktierte Kanzler Merz auf dem CDU-NRW-Landesparteitag in Bonn mit den Worten: „Wir können uns dieses System [...] einfach nicht mehr leisten.“ Ein Jahr zwischen Expertengremien, Reformvorschlägen und großem Einsatz.

Der ASB hat sich im Jahr 2025 intensiv in politischen Prozessen engagiert und in die gesellschaftliche Debatte eingebracht. Dabei hat sich der ASB sehr dafür eingesetzt, dass seine fachliche Expertise bei Reformvorhaben stärker berücksichtigt wird und die Weiterentwicklung sozialer Sicherungssysteme gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren geschieht, die deren Folgen täglich erleben.

Gemeinsam mit Partnern in verschiedenen Bündnissen und Netzwerken, wie dem Bündnis für Gute Pflege, Pro Pflegereform und Bündnis für eine solidarische Vollversicherung, haben wir Position bezogen und für tragfähige Lösungen im Bereich der Pflege geworben. Diesbezüglich haben wir kein Erkenntnisproblem, vielmehr hapert es an der Umsetzung wirklicher Reformen, die zu einer nachhaltigen Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme führen würden. Dazu gehören unter anderem eine sachgerechte Finanzierung versicherungsfremder Leistungen, die Stärkung der Einnahmeseite der Sozialversicherungen sowie strukturelle Reformen, die Solidarität und Generationengerechtigkeit miteinander verbinden.

Eingesetzt haben wir uns für eine Reihe von Themen: von der Begrenzung finanzieller Belastungen pflegebedürftiger Menschen über die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung bis hin zur Stärkung von Angehörigen und sorgenden Gemeinschaften. Die Forderungen des ASB waren dabei nicht von abstrakten Modellen geleitet, sondern von dem Anspruch, praktikable und wirksame Lösungen für die Menschen vor Ort zu entwickeln. Dies gilt für alle Bereiche der Sozialen Dienste. So haben wir uns unter anderem für die gut aufgestellte Jugendarbeit und die Ausgestaltung der inklusiven Kinder- und Jugendarbeit starkgemacht. Eingesetzt haben wir uns auch für die Beseitigung der Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen bei Pflegeleistungen in besonderen Wohnformen, gegen die Finanzierungsdeckelung in § 43a SGB XI und für eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung. Pflegebedarfe müssen wie im ambulanten Bereich entsprechend der Pflegegrade finanziert werden und ein Verbleib in besonderen Wohnformen auch bei umfassendem Pflegebedarf ermöglicht werden.

Mit Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen und umsichtigen Vorschlägen hat sich der ASB 2025 hörbar positioniert und Vorschläge kritisch begleitet.

„Wir wollen mittelfristig einen Sockel-Spitze-Tausch und langfristig eine Pflegevollversicherung. Heißt: Es gibt einen maximalen Eigenanteil, den die Versicherten für die pflegebedingten Kosten tragen, alles darüber hinaus wird von der Pflegekasse abgedeckt.“

Dr. Uwe-Martin Fichtmüller
im Interview mit den Zeitungen der FUNKE Mediengruppe, hier Berliner Morgenpost

Unsere Bündnisse

Durch breit gefächerte Bündnisarbeit setzte sich der ASB für eine sozial gerechte und verlässliche Pflegereform ein:

  • Verbändeübergreifende Aktion zum Tag der Pflege: Beteiligung an der von der Diakonie Deutschland initiierten Petition „Mach dich stark für Pflege“; Übergabe an das Bundesgesundheitsministerium mit der Forderung nach einer umfassenden Pflegereform.

  • Bündnis für eine solidarische Pflegevollversicherung: Im Januar 2025 wurde ein von Prof. Dr. Heinz Rothgang (SOCIUM, Universität Bremen) erarbeitetes Gutachten zu den Beitragseffekten einer Pflegevollversicherung veröffentlicht. Es rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie sich bessere Absicherung und finanzielle Tragfähigkeit zusammen denken lassen, und setzte damit ein wichtiges Signal für eine solidarisch weiterentwickelte Pflegeversicherung. Eine forsa-Umfrage zeigte im Oktober die mehrheitliche Unterstützung für entsprechende Reformschritte.

  • Bündnis für Gute Pflege: Erarbeitung eines Forderungspapiers für eine zukunftsfeste und bedarfsgerechte Pflege sowie Ausrichtung eines Parlamentarischen Abends im Oktober 2025.

  • Initiative Pro Pflegereform: Veröffentlichung eines Gutachtens über eine große Pflegereform im März 2025 mit dem Ziel einer nachhaltigen, gerechten und tragfähigen Weiterentwicklung der Pflegefinanzierung.

Weiter im Jahrbuch

Impulse für die Pflege der Zukunft

ASB-Jahrbuch 2025 · Ein Jahr Wirkung
Jahresbericht des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland e. V.
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