Soziale Arbeit und Pflege

Impulse für die Pflege der Zukunft

Neustart für den ASB-Pflegekongress 2025

Wie viel Kraft im bundesweiten Wissensaustausch steckt, zeigte der ASB-Pflegekongress am 8. und 9. April 2025 in Potsdam. Unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten – praxisnah und aktuell“ lud der Bundesverband nach 13 Jahren erstmals wieder zu dieser Fachveranstaltung ein, um die Pflege im Verband weiterzuentwickeln und ihr politisch mehr Sichtbarkeit zu verleihen.

Diskussion „Pflegeversicherung am Scheideweg“ mit Nadine-Michèle Szepan (Leiterin Abteilung Pflege, AOK-Bundesverband), Dr. Uwe Martin Fichtmüller (ASB-Hauptgeschäftsführer), Diana Zinkler (ASB-Fachbereichsleitung Kommunikation und Public Affairs).

Lucia Tonello, Fachbereichsleiterin Soziale Dienste, eröffnete den Pflegekongress 2025 in Potsdam.

Keynote „Berufsstolz in der Pflege“, Prof. em. Dr. Angelika Zegelin (Pflegewissenschaftlerin und Krankenschwester).

ASB-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Martin Fichtmüller betonte zur Eröffnung: „Pflege beginnt beim Menschen – nicht bei Bürokratie.“ Ausgangspunkt jeder pflegepolitischen Debatte müssten die Menschen sein, die Pflege benötigen, ebenso wie diejenigen, die sie täglich leisten. Prof. em. Dr. Angelika Zegelin stellte die fachliche Kompetenz und den Berufsstolz in den Mittelpunkt: Pflege sei weit mehr als Versorgung, sondern bedeute Beziehung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Zukunft der Pflegeversicherung. In einer Podiumsdiskussion mit Bernhard Schneider (EHS), Nadine-Michèle Szepan (AOK-BV) und Dr. Uwe Martin Fichtmüller wurde gewarnt: Pflege dürfe nicht zum Armutsrisiko werden; steigende Eigenanteile und regionale Unterschiede gefährden die Versorgung.

Der ASB setzt sich hier für eine solidarische, wohnortunabhängige Pflege ein. In Workshops zu Digitalisierung, Ausbildung, Beratung, assistiertem Suizid und kompetenzorientiertem Arbeiten sowie einem Gallery Walk zur Akademisierung in der Pflege kamen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven aus Gliederungen und Bundesverband zusammen. Die fachliche Expertise aus den ASB-Gliederungen bildete dabei eine wesentliche Grundlage für die Workshops und den praxisnahen Austausch. Der gelungene Neustart förderte die Vernetzung und gab wertvolle Impulse für die weitere Verbandsarbeit.

Echte Unterstützung durch digitale Systeme in der Pflegepraxis

Die Digitalisierung in der Pflegepraxis geht auf verschiedenen Ebenen stark voran. Technik und digitale Systeme können eine Entlastung für Pflegepersonen im Arbeitsalltag darstellen. Im Jahr 2024 hat der ASB ein Modellprojekt zur sprachgestützten Pflegedokumentation abgeschlossen. Die Ergebnisse waren eindeutig: Durch die Spracheingabe konnte die Pflegedokumentationszeit stark gesenkt werden. Die zurückgewonnene Zeit konnten Pflegepersonen in die direkte Pflege und Betreuung der Pflegebedürftigen investieren. Diese Resonanz wurde als Grundlage für weiterführende Gespräche mit voize GmbH im Jahr 2025 genutzt, um für ASB-Gliederungen einen Rahmenvertrag zu erwirken.

Darüber hinaus stehen auch Systeme zur emotionalen Begleitung und Aktivierung Pflegebedürftiger in der Pflegepraxis zur Verfügung. Der Navel-Roboter „Oscar“ hört beispielsweise Bewohnenden des Pflegeheims „Haus am Römerhügel“ in Ludwigsburg zu und führt mit ihnen echte Gespräche.

ⓘ Entlastung und mehr Zeit für die direkte Pflege und Betreuung durch die digitale Spracheingabe.

„Sozialstaat braucht Reformen“

Interview der Funke Mediengruppe mit Dr. Uwe Martin Fichtmüller über die Reformen von Rente und Pflege:

ASB-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Martin Fichtmüller hat im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe deutlich gemacht: Wer die Rettung in Kommissionen und Gutachten sucht, kommt nicht weiter. Nun sei es an der Zeit für Entscheidungen. Rente, Kranken- und Pflegeversicherung müssten gemeinsam betrachtet und reformiert werden, weil sie ähnliche Finanzierungsprobleme haben.

Gastbeitrag von Knut Fleckenstein im Hamburger Abendblatt:

„Der Sozialstaat braucht dringend Reformen“: Fleckenstein macht am 29. April 2025 auf die soziale Verantwortung der Bundesregierung für den Sozialstaat aufmerksam. „Um den Sozialstaat gerechter zu gestalten, braucht es Mut, politischen Willen und Ehrlichkeit. Denn große Reformen benötigen Zeit und sind nicht in einer Legislaturperiode zu schaffen“, betont Fleckenstein und fordert: „Ein moderner Sozialstaat erfordert tiefgreifende strukturelle Anpassungen, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Bürger:innen orientieren.“

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